Mein Schreiben


Ich denke, ich spüre, ich fühle.
Ich drücke mich aus,
über mein Schreiben, über meine Sprache, über mein Sein, über mein Tun.

Alles, was durch mich zum Ausdruck finden darf, erkenne ich nicht als mein Eigentum, sondern als ein Schöpfen aus dieser Fülle allem je Gewesenem, Gedachtem, Gelebtem. Manchmal habe auch ich, so wie viele andere Menschen, Zugang zu einem Teil dieser Fülle. Es fühlt sich an, wie ein Wiederfinden von etwas, das schon lange da ist, oder da war. Es ist nicht wirklich etwas Neues und somit hat es für mich nicht den Anspruch von dem, was wir „Besitz“ zu nennen pflegen.

So entstehen Gedichte (kalligraphiert von Hans Mayerhofer, www.schriftkunst.de), Essays, Ideen für Meditationen und Rituale, die ich hier zeigen und zur Verfügung stellen mag. Als Geschenke, die ich (gerne unter Angabe meines Namens) weiterverschenke.

Nachfolgend mein letztes Gedicht über die Kunst, das ich anläßlich einer Abschlussfeier des von Katalin Kossaks organisierten und durchgeführten Symposions schrieb.
Vorher die Gedanken, die mich vor und während meines Schreibens durchfleuchten:
Ich stellte mir die Keramiker und Maler bei ihrer Arbeit vor und hatte den Gedanken, dass ihre Kunst letztendlich aus Mutter Erde besteht (Lehm, Farbe...) und dass sie mit ihren Arbeiten ihre Seele im Außen zeigen, aus Seelenbildern Wirklichkeiten entstehen lassen.
Ich bin davon überzeugt, dass das Leben und die Persönlichkeit unserer Ahnen in unser jetziges Leben hereinwirken und vor meinem inneren Auge sah ich Ahnen ihre Wünsche und Träume in die Hände der Künstler hineinflüstern: Ahnenflüstermagie, lebendige Hände lenkend!
Ich erinnerte mich meiner selbst, wenn mich ein Kunstwerk völlig in den Bann zog. Dann erlebe ich Zeitlosigkeit, in der alles um mich herum den Atem anzuhalten scheint, mich in eine tiefe Stille hineinsinken lässt, in der es nur meinen Atem gibt und die Bewegung meiner Augen, die dieses Werk in allen Einzelheiten erfassen, unvergessend aufnehmen möchte und ein Vlies dieser Einprägungen auf meine Seele legt und hineinwebt, bis in meine Zellen.
Zugleich erlebe ich eine Art Vereinigung zwischen Kunst/KünstlerIn und mir auf Geistes- und Seelenebene. Ich fühle keine Barrieren von Sprache, Kultur, Religion, Überzeugungen, sondern Schwesternschaft, Brüderschaft, eine "unio mystica".

Der Künstlerin

Mit Deinen Händen schaffst Du eine neue Welt,
aus Mutter Erde formst Du Wirklichkeiten!
S´ist Deine Seele, die sich mir erzählt
und Ahnenträume, die ins Diesseits gleiten.

Mit Deiner Kunst schenkst Freude mir und Staunen,
mein Auge schwelgt lustwandelnd im Verweilen.
S´umschleicht mich zeitlos-stilles Lüfte-Raunen,
wenn im Genuss Minuten sich zu Ewigkeiten teilen!

Ich atme das von Dir Geschaff´ne ein!
Mein Einblick legt Dein Werk sanft über meine Seele.
So schenkst Verbindung Du mir, zauberhaft, ins Sein,
ein stumm gesproch´nes Dank-Gedicht in meine Kehle.

Du öffnest Dich in Deiner Kunst mir und der Welt,
in der verbindend Brüderschaft, nicht Habsucht und nicht Kriegslust zählt!


(Susanne Ohneis, am 17.05.2013)